Eigener Zeichenstil in einer lokalen KI
● In Arbeit · alles läuft offline auf dem eigenen Rechner
Ich zeichne gern, und ich wollte wissen, ob eine KI meinen eigenen Stil lernen kann. Nicht irgendeinen Look von der Stange, sondern genau meinen. Und das komplett lokal, damit meine Bilder und mein Stil bei mir bleiben.
01Die Idee
Mein Zeichenstil hat ein paar wiederkehrende Merkmale: große, ausdrucksstarke Augen, sauberes Shading, ein feiner Lichtrand um die Figuren und klare Linien in einem semi-realistischen Anime-Look. Genau das soll die KI übernehmen und auf neue Bilder anwenden.
Cloud-Dienste wie Midjourney oder DALL-E habe ich bewusst verworfen. Sie treffen meinen Stil nicht zuverlässig, und die Bilder liegen dann auf fremden Servern. Für mich war von Anfang an klar: Das läuft alles auf meinem eigenen Rechner.
02Der Aufbau
Als Werkzeug nutze ich ComfyUI, eine lokale Umgebung für KI-Bildgenerierung, die man sich wie ein Baukastensystem aus einzelnen Bausteinen zusammensteckt. Läuft auf meinem Windows-Laptop mit einer mobilen RTX 3080 und einer bewusst stabilen Python-3.11-Umgebung. Die mobile Variante hat hier sogar einen Vorteil: 16 GB Grafikspeicher gegenüber den 10 oder 12 GB der Desktop-Karte. Und beim KI-Training ist der Grafikspeicher oft der begrenzende Faktor.
| Baustein | Wozu |
|---|---|
| ComfyUI | Lokale Umgebung, in der der ganze Ablauf zusammengesteckt wird |
| IP-Adapter Plus | Überträgt den Stil eines Referenzbildes auf das Ergebnis |
| ControlNet | Hält Struktur und Pose unter Kontrolle, damit nicht alles zerfließt |
| Checkpoint-Modell | Das Basismodell, das die Bilder erzeugt (ReV Animated V2) |
| Kohya_ss | Werkzeug für das eigene Training (im Aufbau) |
03Wie es funktioniert
Der aktuelle Ablauf kombiniert zwei Bausteine. Der IP-Adapter nimmt sich ein Referenzbild in meinem Stil und überträgt dessen Look, ControlNet sorgt gleichzeitig dafür, dass die Grundstruktur des Zielbildes erhalten bleibt. Wichtig dabei: Aktuell arbeite ich mit einer einzigen Stilvorlage als Referenz. Alles, was du weiter unten an Ergebnissen siehst, entsteht also aus genau einem Bild.
Das bringt schon eine erstaunlich brauchbare Richtung, reicht aber noch nicht, um meinen Stil wirklich zuverlässig zu treffen. Dafür braucht es den nächsten Schritt, ein eigenes Training.
04Ein Beispiel von Anfang bis Ende
Am klarsten wird es an einer kompletten Kette. Meine eine gezeichnete Stilvorlage und ein Quellbild gehen hinein, heraus kommt ein neues Bild in meinem Stil. Hier habe ich als Quelle bewusst eine alte eigene Bleistiftzeichnung genommen.
Dieser Weg über eine eigene Zeichnung trifft meinen Stil ziemlich gut. Man kann damit endlos spielen, jedes Quellbild und jede Einstellung führt zu einem anderen Ergebnis.
Der schwierigere Weg: echte Fotos
Statt einer Zeichnung kann auch ein echtes Foto als Quelle dienen, meist eigene Aufnahmen von Freunden und Familie. Das ist deutlich anspruchsvoller, das Ergebnis ist bisher eher ein Näherungswert.
Eine der interessanten Erkenntnisse: Eigene Zeichnungen als Quelle führen aktuell näher an meinen Stil als echte Fotos. Der größte Hebel für die Zukunft ist die Menge an eigenen Vorlagen. Je mehr Zeichnungen ich sammle, desto besser lässt sich das Modell darauf trainieren. Ich gehe davon aus, dass damit nach und nach auch der schwierigere Weg über echte Fotos besser wird, weil das Modell den Stil dann sicherer beherrscht. Und weil alle meine Vorlagen mit Papier und Stift oder am Tablet entstehen, ist genau das der langsame Teil.
05Mein Stil verändert sich
Beim Sammeln zeigt sich eine Hürde, die ich erst nicht auf dem Schirm hatte. Ich zeichne seit vielen Jahren, und mein Stil hat sich in der Zeit deutlich weiterentwickelt. Man erkennt zwar durchgehend meine Handschrift, aber alte Bilder sehen anders aus als neue.
Für das Training heißt das: Es zählt nicht nur die Menge, sondern die Qualität und Einheitlichkeit. Ich brauche genug Bilder, die meinen aktuellen Stil zeigen. Ältere Zeichnungen taugen nur bedingt, weil sie einen anderen Entwicklungsstand abbilden. Genau deshalb dauert das Sammeln länger, als es die reine Zahl vermuten lässt.
06Der nächste Schritt: eigenes Training
Bis hierher entsteht alles aus einer einzigen Stilvorlage. Der nächste große Schritt ist ein eigenes LoRA. Das ist eine kleine Zusatzdatei, die einem großen Modell ein spezifisches Merkmal beibringt, in meinem Fall meinen kompletten Zeichenstil. Statt bei jedem Bild eine Vorlage danebenzuhalten, hätte das Modell den Stil dann selbst gelernt und würde ihn zuverlässiger und konsistenter treffen.
Die Technik dafür steht schon, das LoRA ist eingerichtet. Was noch fehlt, ist genug eigenes Trainingsmaterial. Genau deshalb sammle ich gerade viele Bilder, denn ein Modell lernt einen Stil erst, wenn es ihn in vielen Varianten gesehen hat. Ich fange gezielt bei den Augen an, weil die meinen Stil am stärksten ausmachen. Sind die überzeugend, kommen breitere Stil-Elemente dazu.
LoRA steht, jetzt fehlt das Trainingsmaterial
Das LoRA ist eingerichtet, das eigentliche Training startet aber erst, wenn genug Vorlagen da sind. Ziel sind mindestens 20 eigene Figuren in verschiedenen Posen. Die zeichne ich gerade nach und nach. Bis dahin laufen alle Ergebnisse über die eine Stilvorlage, und schon das funktioniert erstaunlich gut.
07Fallstricke unterwegs
So ein lokales Setup hat seine Tücken, und daran habe ich einiges gelernt:
- Die Wahl der Python-Version ist entscheidend. Die neueste ist nicht immer die richtige, weil wichtige Bausteine noch nicht dazu passen. Eine bewusst ältere, stabile Version war die bessere Wahl.
- Eine zentrale Komponente (PyTorch, das Rechenherz für die Grafikkarte) wurde bei anderen Installationen immer wieder still überschrieben. Die Lösung war, sie gezielt und ohne automatische Nebenpakete neu zu setzen.
- Die Zusatzbausteine ließen sich nicht über den normalen Paketmanager installieren, sondern mussten von Hand aus ihren Quellen geholt werden.
- Gespeicherte Abläufe verloren beim Import manchmal ihre internen Verbindungen und mussten in der Oberfläche neu verknüpft werden.
- Windows blockiert Skripte gern aus Sicherheitsgründen, und Sonderzeichen in Skripten machen dort Probleme. Schlichtes ASCII und eine bewusst gesetzte Ausführungsfreigabe haben das gelöst.
Für den Alltag habe ich mir kleine Start- und Reparatur-Skripte gebaut, die den Rechner-Start, das Nachladen der Bausteine und das Richten der überschriebenen Komponente automatisieren.
08Warum lokal
Der ganze Aufwand hat einen einfachen Grund. Meine Zeichnungen sind meine, und mein Stil ist Teil davon. Ein lokales Setup heißt: keine fremden Server, keine Uploads, keine Frage, wem die Ergebnisse gehören. Es passt zu dem, was sich durch meine ganze Arbeit zieht, Dinge selbst verstehen, selbst bauen und in der eigenen Hand behalten.